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Krankschreibung in Deutschland: Entgeltfortzahlung und Krankengeld erklärt

Von Recording Law Redaktionsteam15 Min. Lesezeit
Krankschreibung in Deutschland: Entgeltfortzahlung und Krankengeld erklärt

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Wochen bin ich in Deutschland krankgeschrieben abgesichert?

Die volle Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber läuft für bis zu sechs Wochen pro Krankheit nach § 3 EFZG, sobald vier Wochen ununterbrochener Beschäftigung nach § 3 Abs. 3 EFZG bereits vergangen sind. Nach diesen sechs Wochen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse mit dem Krankengeld zu einem reduzierten Satz, in der Regel für bis zu 78 Wochen innerhalb eines rollierenden Dreijahreszeitraums wegen derselben Krankheit.

Wann muss ich eine Krankschreibung vorlegen?

Eine Bescheinigung ist grundsätzlich erforderlich, sobald die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage dauert, vorzulegen spätestens am nächsten Arbeitstag. § 5 EFZG erlaubt es dem Arbeitgeber, die Bescheinigung früher zu verlangen, sogar ab dem ersten Tag einer Abwesenheit, sodass eine Vertragsklausel oder eine Anweisung des Arbeitgebers eine Bescheinigung schon ab dem ersten Tag vorschreiben kann.

Was ist die eAU, und muss ich meinem Arbeitgeber trotzdem sagen, dass ich krank bin?

Die eAU ist die elektronische Bescheinigung, die die Arztpraxis an die Krankenkasse übermittelt, und die der Arbeitgeber anschließend über sein eigenes Lohnabrechnungssystem abruft. Sie hat den Papierzettel ersetzt, nicht die Meldepflicht. Der Arbeitnehmer muss den Arbeitgeber weiterhin unverzüglich über die Arbeitsunfähigkeit und ihre voraussichtliche Dauer informieren, nach § 5 EFZG.

Kann mich ein Arzt in Deutschland telefonisch krankschreiben?

Ja, und seit einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 7. Dezember 2023 ist das eine dauerhafte Regelung, keine übrig gebliebene Pandemieregel mehr. Sie deckt höchstens fünf Kalendertage ab, gilt nur für Patienten, die der Praxis bereits bekannt sind, nur ohne schwere Symptome, und nur dort, wo eine Videosprechstunde nicht ausreichen würde.

Wie viel zahlt das Krankengeld, sobald die Entgeltfortzahlung endet?

Nach § 47 SGB V beträgt das Krankengeld 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoverdienstes, gedeckelt auf 90 Prozent des Nettoverdienstes, je nachdem, welcher Wert niedriger ist. In der Praxis ist häufig die Nettodeckelung maßgeblich, sodass der tatsächlich ausgezahlte Betrag oft spürbar niedriger ist, als ein einfacher Satz von 70 Prozent des Bruttos vermuten lässt.

Kann mein Arbeitgeber mir kündigen, weil ich zu oft krank bin?

Nicht automatisch. Eine Kündigung aus gesundheitlichen Gründen muss eine dreistufige Prüfung bestehen, die die Arbeitsgerichte einheitlich anwenden: eine echte negative Prognose für künftige Arbeitsunfähigkeit, eine ernsthafte Beeinträchtigung des Betriebs durch diese Prognose, und eine Interessenabwägung, die zulasten des Arbeitnehmers ausfällt. Ein Arbeitgeber, der ein erforderliches betriebliches Eingliederungsmanagement ausgelassen hat, hat einen deutlich schwereren Stand.

Verliere ich Urlaubstage, wenn ich während meines Urlaubs krank werde?

Nein. Nach § 9 BUrlG werden durch ärztliches Attest nachgewiesene Tage der Arbeitsunfähigkeit während eines bereits genehmigten Urlaubs nicht auf den Jahresurlaub angerechnet, sodass diese Tage praktisch zurückerstattet statt verbraucht werden.

Darf ich das Haus verlassen, während ich krankgeschrieben bin?

Es gibt keine feste Regel, die einen Arbeitnehmer verpflichtet, zu Hause zu bleiben. Entscheidend ist, ob die Aktivität mit der Genesung von der konkret bescheinigten Erkrankung vereinbar ist. Ein kurzer Spaziergang oder ein Gang zur Apotheke bei einer Erkältung ist in der Regel unauffällig, während intensive Aktivität, die der Genesung von genau dieser Diagnose erkennbar entgegenwirkt, eine andere Sache ist.

Quellen und Referenzen

  1. § 3 EFZG, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall(gesetze-im-internet.de).gov
  2. § 5 EFZG, Anzeige- und Nachweispflichten des Arbeitnehmers(gesetze-im-internet.de).gov
  3. § 9 BUrlG, Erkrankung während des Urlaubs(gesetze-im-internet.de).gov
  4. § 167 SGB IX, Betriebliches Eingliederungsmanagement(gesetze-im-internet.de).gov
  5. § 44 SGB V, Anspruch auf Krankengeld(gesetze-im-internet.de).gov
  6. § 47 SGB V, Berechnung des Krankengeldes(gesetze-im-internet.de).gov
  7. § 48 SGB V, Dauer des Krankengeldes(gesetze-im-internet.de).gov
  8. § 1 KSchG, Sozial ungerechtfertigte Kündigungen(gesetze-im-internet.de).gov
  9. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.05.2015, 2 AZR 565/14(bundesarbeitsgericht.de).gov
  10. Gemeinsamer Bundesausschuss, Telefonische Krankschreibung dauerhaft möglich, Pressemitteilung(g-ba.de).gov
  11. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de, Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)(gesund.bund.de).gov
  12. § 5 Abs. 1a EFZG, elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)(gesetze-im-internet.de).gov
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