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Arbeitszeugnis: Zeugnissprache und Notencode einfach erklärt

Von Recording Law Redaktionsteam15 Min. Lesezeit
Arbeitszeugnis: Zeugnissprache und Notencode einfach erklärt

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet stets zu unserer vollsten Zufriedenheit in einem deutschen Arbeitszeugnis?

Diese Formulierung steht ganz oben in der weithin anerkannten deutschen Notenkonvention und entspricht der Schulnote sehr gut, Note 1. Der Wortlaut taucht im Gesetz selbst nirgendwo auf. Es handelt sich um eine Formulierung, die deutsche Arbeitgeber nach langjähriger, in der Arbeitsgerichtspraxis anerkannter Konvention verwenden, um eine herausragende Gesamtbewertung zu signalisieren.

Steht die Regel von Wahrheit und Wohlwollen bei deutschen Arbeitszeugnissen im Gesetz?

Nein. § 109 GewO verlangt lediglich, dass das Zeugnis klar und verständlich ist und keine versteckten Signale enthält. Die Regel, dass ein Zeugnis sowohl wahr als auch, innerhalb der Grenzen dieser Wahrheit, wohlwollend gegenüber dem ausscheidenden Arbeitnehmer sein muss, stammt aus der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts, unter anderem aus dessen Urteil von 2016 im Verfahren 9 AZR 8/15, nicht aus dem Gesetzestext.

Kann ich ein Zeugnis verlangen, während ich noch beschäftigt bin?

Ja, in Form eines Zwischenzeugnisses, auch wenn es keinen allgemeinen gesetzlichen Anspruch darauf zu jedem beliebigen Zeitpunkt gibt. Die deutschen Gerichte haben einen solchen Anspruch aus den Treuepflichten des Arbeitgebers nach §§ 241 und 242 BGB abgeleitet, sofern ein legitimer Grund vorliegt, etwa ein neuer Vorgesetzter, eine Umstrukturierung, längere Elternzeit, eine Weiterbildung oder eine Bewerbung auf eine andere Stelle.

Wer muss beweisen, dass eine Note in meinem Zeugnis falsch ist?

Das hängt von der Richtung ab. Ein Arbeitnehmer, der eine überdurchschnittliche Note möchte, muss die Leistung nachweisen, die sie stützt, während ein Arbeitgeber, der eine unterdurchschnittliche Note vergeben möchte, diese Bewertung mit Tatsachen begründen muss. Kann keine Seite ihre Position beweisen, gilt nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 18.11.2014 im Verfahren 9 AZR 584/13 standardmäßig die Durchschnittsnote, die Formulierung zu unserer vollen Zufriedenheit.

Hat die Reihenfolge, in der Vorgesetzte, Kollegen und Kunden genannt werden, wirklich eine Bedeutung?

Viele Praktiker lesen eine Hierarchie in diese Reihenfolge hinein und werten es als schlechtes Zeichen, wenn Vorgesetzte nach Kollegen genannt werden. Mindestens ein Landesarbeitsgericht hat es ausdrücklich abgelehnt, diese Lesart als feststehende Regel anzuerkennen. Am besten behandelt man sie deshalb als verbreitete Konvention und nicht als gesicherte Rechtsprechung, auf deren Durchsetzung man sich vor Gericht verlassen kann.

Kann ich verlangen, dass mein Arbeitgeber eine Schlussformel mit guten Wünschen hinzufügt?

Nein. Das Bundesarbeitsgericht hat 2012 im Verfahren 9 AZR 227/11 entschieden, dass ein Ausdruck des Bedauerns und guter Wünsche am Ende eines Zeugnisses eine persönliche Empfindung ist und keinen von § 109 GewO geforderten Inhalt darstellt. Ein Arbeitnehmer kann einen Arbeitgeber deshalb nicht dazu zwingen, eine solche Formulierung aufzunehmen. Ein Arbeitnehmer kann lediglich die Streichung einer vom Arbeitgeber gewählten Schlusszeile verlangen, nicht aber eine Formulierung nach eigenem Wunsch.

Wie lange habe ich Zeit, um gegen ein falsches Zeugnis vorzugehen?

Die allgemeine zivilrechtliche Verjährungsfrist beträgt drei Jahre nach § 195 BGB, doch schon ein Zuwarten von wenigen Monaten ohne Widerspruch kann einem Arbeitgeber erlauben, Verwirkung des Anspruchs geltend zu machen. Viele Arbeitsverträge setzen zudem eine deutlich kürzere Ausschlussfrist für die Geltendmachung von Ansprüchen, häufig um die drei Monate. Zügig und schriftlich zu widersprechen ist der sicherere Weg.

Darf ein Arbeitszeugnis mit Flecken, Knicken oder ungewöhnlicher Formatierung übergeben werden?

Nicht absichtlich. Die Arbeitsgerichte behandeln ungewöhnliche Merkmale wie Flecken, Risse, Korrekturspuren oder ungewöhnliche Hervorhebungen selbst als mögliche versteckte Signale, denselben Grundgedanken, der auch dem gesetzlichen Verbot versteckter Formulierungen nach § 109 Abs. 2 GewO zugrunde liegt. Ein Zeugnis muss deshalb sauber, professionell gestaltet und in der Regel auf dem Briefpapier des Unternehmens ausgestellt sein.

Quellen und Referenzen

  1. § 109 GewO, Zeugnis(gesetze-im-internet.de).gov
  2. § 630 BGB, Zeugnis(gesetze-im-internet.de).gov
  3. § 241 BGB, Pflichten aus dem Schuldverhältnis(gesetze-im-internet.de).gov
  4. § 242 BGB, Leistung nach Treu und Glauben(gesetze-im-internet.de).gov
  5. § 243 BGB, Gattungsschuld (mittlere Art und Güte)(gesetze-im-internet.de).gov
  6. § 195 BGB, regelmäßige Verjährungsfrist(gesetze-im-internet.de).gov
  7. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.11.2014, 9 AZR 584/13 (Beweislast für die Leistungsbeurteilung)(bundesarbeitsgericht.de).gov
  8. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.06.2016, 9 AZR 8/15 (Wahrheitspflicht und Wohlwollen im Zeugnis)(bundesarbeitsgericht.de).gov
  9. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 11.12.2012, 9 AZR 227/11 (kein Anspruch auf Dank- und Bedauernsformel)(bundesarbeitsgericht.de).gov
  10. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 27.04.2021, 9 AZR 262/20 (Klarheitsgebot und Fließtext-Erfordernis)(bundesarbeitsgericht.de).gov
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