EnglishDeutsch
Germany flag

Germany

Verleumdung in Deutschland: § 187 StGB, Strafe und wie eine Anzeige abläuft

Unabhängig faktengeprüftVon Recording Law Redaktionsteam18 Min. Lesezeit

Independently fact-checked against primary sources (last audited 20. Juli 2026). · 17 primary sources cited on this page. How we verify our legal content

Verleumdung in Deutschland: § 187 StGB, Strafe und wie eine Anzeige abläuft

Häufig gestellte Fragen

Was gilt nach deutschem Recht als Verleumdung?

Nach § 187 StGB ist es das Behaupten oder Verbreiten einer unwahren Tatsachenbehauptung über eine andere Person wider besseres Wissen, wenn die Behauptung geeignet ist, diese Person verächtlich zu machen, in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder ihre Kreditwürdigkeit zu gefährden. Eine Meinung, mag sie noch so scharf sein, ist keine Tatsachenbehauptung und wird stattdessen nach § 185 StGB beurteilt.

Was ist der Unterschied zwischen Verleumdung und übler Nachrede?

Das subjektive Element. § 186 StGB gilt für eine rufschädigende Tatsachenbehauptung, die nicht erweislich wahr ist, unabhängig davon, was die sprechende Person geglaubt hat. § 187 StGB setzt voraus, dass die sprechende Person im Moment der Äußerung wusste, dass die Behauptung unwahr war. Weil sich diese Kenntnis nur schwer nachweisen lässt, werden viele als Verleumdung angezeigte Fälle nach § 186 StGB geprüft.

Welche Strafe droht bei Verleumdung in Deutschland?

§ 187 StGB sieht Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe vor. Wurde die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts im Sinne von § 11 Absatz 3 StGB begangen, steigt der Strafrahmen auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Die Zahl von fünf Jahren gilt für den qualifizierten Tatbestand, nicht für das reguläre Höchstmaß.

Hat die Reform von 2021 gegen Rechtsextremismus und Hasskriminalität das Strafmaß für Verleumdung erhöht?

Nein. Das 60. Strafrechtsänderungsgesetz vom 30. November 2020, in Kraft seit 1. Januar 2021, hat den Wortlaut von Schriften auf Inhalt in §§ 186 und 187 StGB modernisiert. Das Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität, in Kraft seit 3. April 2021, hat die Qualifikation der Öffentlichkeit, Versammlung und Verbreitung in § 185 StGB eingefügt. Am Höchstmaß von § 187 StGB hat sich dadurch nichts geändert.

Wird Verleumdung in Deutschland automatisch verfolgt?

In der Regel nicht. § 194 StGB macht die Verfolgung von einem Strafantrag der antragsberechtigten Person abhängig, und § 376 StPO beschränkt die Anklageerhebung bei diesen Delikten auf Fälle, in denen die Verfolgung im öffentlichen Interesse liegt. § 194 StGB sieht Ausnahmen vor, und bei § 188 StGB kann die Staatsanwaltschaft von Amts wegen tätig werden, wenn ein besonderes öffentliches Interesse besteht.

Wie lange ist die Frist, um Verleumdung anzuzeigen?

§ 77b StGB setzt drei Monate. Die Frist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem die antragsberechtigte Person sowohl von der Tat als auch von der Identität des Täters Kenntnis erlangt, sie beginnt also nicht, solange der Urheber unbekannt ist. Ist die Frist abgelaufen, ist der strafrechtliche Weg versperrt, unabhängig von der Begründetheit des Vorwurfs.

Kann neben einer Strafanzeige auch Schadensersatz geltend gemacht werden?

Beide Wege sind getrennt und können parallel beschritten werden. Zivilrechtliche Ansprüche stützen sich auf § 823 Abs. 1 BGB über das allgemeine Persönlichkeitsrecht und auf § 823 Abs. 2 BGB mit §§ 185 bis 187 StGB als Schutzgesetzen, während Beseitigung und Unterlassung aus § 1004 BGB in entsprechender Anwendung folgen.

Was geschieht, wenn die Behauptung anonym veröffentlicht wurde?

Die Identifizierung ist bei Online-Fällen meist der schwierigste Teil. § 21 TDDDG erlaubt es dem Landgericht, einen Diensteanbieter zur Herausgabe von Bestandsdaten zu verpflichten, um zivilrechtliche Ansprüche wegen Inhalten nach §§ 185 bis 187 StGB durchzusetzen, doch die vorliegenden Daten können sich auf eine IP-Adresse und einen Zeitstempel beschränken, sodass ein weiterer Schritt nötig ist, um eine Person zu erreichen.

Aktualisierungen

Unabhängig gegen die zitierten Primärquellen geprüft

Quellen und Referenzen

  1. § 187 StGB, Verleumdung(gesetze-im-internet.de).gov
  2. § 186 StGB, Üble Nachrede(gesetze-im-internet.de).gov
  3. § 185 StGB, Beleidigung(gesetze-im-internet.de).gov
  4. § 188 StGB, Gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung(gesetze-im-internet.de).gov
  5. § 11 StGB, Personen- und Sachbegriffe, Begriff des Inhalts in Absatz 3(gesetze-im-internet.de).gov
  6. § 190 StGB, Wahrheitsbeweis durch Strafurteil(gesetze-im-internet.de).gov
  7. § 192 StGB, Beleidigung trotz Wahrheitsbeweises(gesetze-im-internet.de).gov
  8. § 193 StGB, Wahrnehmung berechtigter Interessen(gesetze-im-internet.de).gov
  9. § 194 StGB, Strafantrag bei Beleidigungsdelikten(gesetze-im-internet.de).gov
  10. § 200 StGB, Bekanntgabe der Verurteilung(gesetze-im-internet.de).gov
  11. § 77b StGB, Antragsfrist von drei Monaten(gesetze-im-internet.de).gov
  12. § 374 StPO, Privatklage(gesetze-im-internet.de).gov
  13. § 376 StPO, Anklageerhebung im öffentlichen Interesse(gesetze-im-internet.de).gov
  14. § 823 BGB, Schadensersatzpflicht(gesetze-im-internet.de).gov
  15. § 1004 BGB, Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch(gesetze-im-internet.de).gov
  16. § 21 TDDDG, Auskunftsverfahren bei Bestandsdaten(gesetze-im-internet.de).gov
  17. Bundesverfassungsgericht, Pressemitteilung 095/2020 vom 29. Oktober 2020 zum Beschluss vom 19. August 2020, 1 BvR 2249/19(bundesverfassungsgericht.de).gov
Teilen: