Verleumdungsrecht Deutschland: Zivil-, Strafrecht & Verteidigung

In Deutschland ist die Verleumdung sowohl eine Straftat als auch ein zivilrechtliches Unrecht. Das Strafgesetzbuch (StGB) stellt Beleidigung und falsche Tatsachenbehauptungen nach den §§ 185 bis 187 unter Strafe, und das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) erlaubt der geschädigten Person, aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht auf Unterlassung, Widerruf und Geldentschädigung zu klagen.
Ist Verleumdung in Deutschland eine zivil- oder strafrechtliche Angelegenheit, oder beides?
Beides. Deutschland behandelt Angriffe auf die persönliche Ehre gleichzeitig als Straftaten und als zivilrechtliches Unrecht. Das Strafgesetzbuch fasst die Ehrenbeleidigungsdelikte in den §§ 185 bis 200 StGB zusammen, wobei die drei zentralen Bestimmungen § 185 (Beleidigung), § 186 (üble Nachrede, Verleumdung durch nicht erwiesene Tatsache) und § 187 (Verleumdung, wissentlich falsche Verleumdung) sind. Daneben schützen die Zivilgerichte das allgemeine Persönlichkeitsrecht, ein Recht, das die Bundesgerichte aus den Art. 1 und 2 des Grundgesetzes abgeleitet und als "sonstiges Recht" im Sinne von § 823 Abs. 1 BGB anerkannt haben. Da die strafrechtlichen Ehrenschutzbestimmungen zugleich als Schutzgesetze im Sinne von § 823 Abs. 2 BGB gelten, kann eine einzige falsche Äusserung die sprechende Person sowohl einem Strafantrag als auch einer Zivilklage auf Schadenersatz und Unterlassung aussetzen.
Was gilt nach dem StGB als strafbare Verleumdung?
Das deutsche Recht unterscheidet Meinung von Tatsache. § 185 StGB (Beleidigung) bestraft eine Kundgabe der Missachtung oder Nichtachtung, einschliesslich Äusserungen, die nur gegenüber der betroffenen Person selbst gemacht werden, und wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet, beziehungsweise bis zu zwei Jahren, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung, durch Verbreiten eines Inhalts (§ 11 Abs. 3 StGB) oder mittels einer Tätlichkeit begangen wird. § 186 StGB (üble Nachrede) gilt, wenn jemand in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, die geeignet ist, diesen verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, und die nicht erweislich wahr ist; die Strafe beträgt bis zu einem Jahr oder Geldstrafe, erhöht auf bis zu zwei Jahre, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten eines Inhalts begangen wird. § 187 StGB (Verleumdung) ist das schwerste Delikt: Es erfasst die Behauptung oder Verbreitung einer unwahren Tatsache wider besseres Wissen und sieht bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor, beziehungsweise bis zu fünf Jahre, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten eines Inhalts begangen wird.

Zu beachten: Die Beleidigung nach § 185 StGB setzt nicht voraus, dass die Äusserung einen Dritten erreicht. Eine beleidigende Bemerkung, die unmittelbar gegenüber der betroffenen Person ohne Publikum geäussert wird, kann weiterhin strafbar sein.
Wie funktioniert die zivilrechtliche Haftung?
Die zivilrechtliche Haftung ergibt sich aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht. Verletzt eine Äusserung dieses Recht, kann die betroffene Person nach § 823 Abs. 1 BGB (oder nach § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit den Ehrenschutzbestimmungen des StGB) auf Schadenersatz und, in entsprechender Anwendung von § 1004 Abs. 1 BGB, auf Unterlassung und Beseitigung des rechtswidrigen Materials klagen. Die deutschen Gerichte erkennen zudem einen eigenständigen Anspruch auf Geldentschädigung für schwere, nicht vermögensrechtliche Beeinträchtigungen an, wenn andere Rechtsbehelfe den Schaden nicht angemessen ausgleichen können. Zugesprochene Beträge haben je nach Schwere und Reichweite der Veröffentlichung stark variiert, und es besteht keine gesetzliche Obergrenze für die Entschädigung wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung. Ansprüche dieser Art werden von den ordentlichen Zivilgerichten entschieden, in der Regel dem Landgericht und, im Berufungsverfahren, dem Oberlandesgericht.
Welche Rechtfertigungsgründe und Privilegien gelten?
Der zentrale gesetzliche Rechtfertigungsgrund ist die Wahrheit in Verbindung mit einem berechtigten Interesse. Bei § 186 StGB schliesst der Nachweis, dass die behauptete Tatsache wahr ist, die Strafbarkeit in der Regel aus, da sich der Tatbestand darauf stützt, dass die Tatsache nicht erweislich wahr ist. § 193 StGB (Wahrnehmung berechtigter Interessen) schützt Äusserungen, die der Wahrung berechtigter Interessen dienen, einschliesslich kritischer Beurteilungen wissenschaftlicher, künstlerischer oder beruflicher Leistungen, dienstlicher Zurechtweisungen und Rügen durch Vorgesetzte sowie Äusserungen zur Geltendmachung oder Verteidigung eines Rechts, ausser wenn sich das Vorliegen einer Beleidigung aus der Form der Äusserung oder den Umständen ergibt, unter denen sie geschieht. Die deutschen Gerichte wägen die Meinungsfreiheit der sprechenden Person (Art. 5 Grundgesetz) gegen das Persönlichkeitsrecht der betroffenen Person ab und räumen der Kommentierung von Personen des öffentlichen Lebens und Angelegenheiten von öffentlichem Interesse mehr Spielraum ein als Angriffen auf Privatpersonen.
| Ehrenbeleidigungsdelikt | Kernverhalten | Höchststrafe |
|---|---|---|
| § 185 (Beleidigung) | Kundgabe der Missachtung oder Nichtachtung | 1 Jahr oder Geldstrafe; 2 Jahre bei öffentlicher Begehung oder durch Verbreiten eines Inhalts |
| § 186 (üble Nachrede) | Nicht erweislich wahre, herabwürdigende Tatsache | 1 Jahr oder Geldstrafe; 2 Jahre bei öffentlicher Begehung oder durch Verbreiten eines Inhalts |
| § 187 (Verleumdung) | Wissentlich falsche, herabwürdigende Tatsache | 2 Jahre oder Geldstrafe; 5 Jahre bei öffentlicher Begehung oder durch Verbreiten eines Inhalts |
Wie lange ist die Verjährungsfrist?
Für zivilrechtliche Ansprüche gilt die reguläre dreijährige Verjährungsfrist nach § 195 BGB. Nach § 199 BGB beginnt diese Frist grundsätzlich mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und die klagende Partei von den anspruchsbegründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätte erlangen müssen. Auf strafrechtlicher Seite sind die Ehrenbeleidigungsdelikte überwiegend Antragsdelikte nach § 194 StGB, und der Strafantrag muss in der Regel innerhalb von drei Monaten ab Kenntnis der Tat und der Person des Täters gestellt werden, entsprechend der Antragsfrist nach § 77b StGB.

Wie wird Online-Verleumdung behandelt?
Dieselben Regeln aus StGB und BGB gelten auch für Äusserungen im Internet, einschliesslich sozialer Medien, Bewertungen und Kommentarspalten. Die Veröffentlichung einer falschen Tatsachenbehauptung im Internet kann das Tatbestandsmerkmal des "Verbreitens eines Inhalts" erfüllen, das die höheren Strafrahmen der §§ 185 bis 187 StGB auslöst. Zivilrechtlich kann eine geschädigte Person Löschung und Unterlassung erwirken, und das deutsche Recht sieht seit Langem Pflichten für Host-Provider und Plattformen vor, sobald diese von eindeutig rechtswidrigen Inhalten Kenntnis erlangen. Betroffene Personen verbinden häufig eine Löschungsaufforderung an die Plattform mit zivil- und, soweit angebracht, strafrechtlichen Schritten gegen die ursprünglich verfassende Person.
Zu beachten: Belässt eine Plattform oder ein Host-Provider einen ehrenrührigen Beitrag nach einer Benachrichtigung weiterhin online, kann daraus eine eigenständige Haftung entstehen, weshalb eine Benachrichtigung, die die rechtswidrigen Inhalte konkret bezeichnet, in Online-Fällen ein wichtiger erster Schritt ist.
Wie bringt man eine Verleumdungsklage in Deutschland ein?
Es gibt zwei Wege, die häufig zusammen genutzt werden. Auf strafrechtlicher Seite stellt die geschädigte Person bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft einen Strafantrag, in der Regel innerhalb von drei Monaten; bei vielen Ehrenbeleidigungsdelikten kann die geschädigte Person zudem eine Privatklage erheben, wenn die Staatsanwaltschaft von der Verfolgung absieht. Auf zivilrechtlicher Seite erhebt die klagende Partei vor den Zivilgerichten Klage auf Unterlassung, Beseitigung, Richtigstellung und, in schweren Fällen, Geldentschädigung. Da die strafrechtlichen Ehrenschutzbestimmungen zugleich als Schutzgesetze für zivilrechtliche Ansprüche dienen, kann eine strafrechtliche Feststellung eine parallele Zivilklage stützen. Dies sind allgemeine Informationen zum deutschen Recht und keine Rechtsberatung für einen konkreten Einzelfall.

Frequently Asked Questions
Ist Verleumdung in Deutschland eine Straftat?
Ja. Die §§ 185 bis 187 des Strafgesetzbuchs (StGB) stellen Beleidigung, Verleumdung durch eine nicht erwiesene Tatsache und wissentlich falsche Verleumdung unter Strafe. Es handelt sich überwiegend um Antragsdelikte, sodass die Strafverfolgung nach § 194 StGB in der Regel erst nach einem Strafantrag der geschädigten Person erfolgt.
Was ist der Unterschied zwischen den §§ 185, 186 und 187 StGB?
§ 185 (Beleidigung) ist die Kundgabe der Missachtung, die auch eine Meinungsäusserung umfassen kann. § 186 (üble Nachrede) ist die Behauptung einer herabwürdigenden Tatsache, die nicht erweislich wahr ist. § 187 (Verleumdung) ist die Behauptung einer Tatsache, von der die sprechende Person weiss, dass sie unwahr ist, und trägt die höchsten Strafen.
Welche Strafen drohen bei Verleumdung in Deutschland?
§ 185 sieht bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor (bis zu zwei Jahre bei öffentlicher Begehung oder durch Verbreiten eines Inhalts). § 186 sieht bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor (bis zu zwei Jahre bei öffentlicher Begehung). § 187 sieht bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor, die sich auf bis zu fünf Jahre erhöhen, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten eines Inhalts begangen wird.
Kann man in Deutschland wegen Verleumdung klagen, und wie viel Schadenersatz kann man erhalten?
Ja. Die Zivilgerichte schützen das allgemeine Persönlichkeitsrecht und erlauben Klagen auf Unterlassung und Beseitigung nach § 1004 BGB sowie auf Schadenersatz nach § 823 BGB. In schweren Fällen kann eine Geldentschädigung zugesprochen werden, und das deutsche Recht sieht keine gesetzliche Obergrenze vor, sodass die Höhe von der Schwere und Reichweite der Äusserung abhängt.
Ist Wahrheit ein Rechtfertigungsgrund bei Verleumdung in Deutschland?
Im Allgemeinen ja bei § 186, wo der Nachweis, dass die behauptete Tatsache wahr ist, den Tatbestand ausschliesst. § 193 StGB schützt zudem Äusserungen zur Wahrnehmung berechtigter Interessen, einschliesslich sachlicher Kritik an beruflicher, wissenschaftlicher oder künstlerischer Leistung, ausser wenn sich das Vorliegen einer Beleidigung aus der Form oder den Umständen ergibt.
Wie lange ist die Frist für eine Verleumdungsklage in Deutschland?
Zivilrechtliche Ansprüche wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung unterliegen der regulären dreijährigen Verjährungsfrist nach § 195 BGB, die mit dem Schluss des Jahres beginnt, in dem die klagende Partei von den Umständen und der verantwortlichen Person Kenntnis erlangt hat. Ein Strafantrag muss in der Regel innerhalb von drei Monaten ab Kenntnis der Tat und der Person des Täters gestellt werden.
Wie wird Online-Verleumdung in Deutschland behandelt?
Dieselben Regeln aus StGB und BGB gelten auch online, und die Veröffentlichung falscher Tatsachen im Internet kann die höheren, an das Verbreiten eines Inhalts geknüpften Strafen auslösen. Betroffene Personen können von der Plattform die Löschung verlangen und zivil- sowie, soweit angebracht, strafrechtlich gegen die verfassende Person vorgehen.
Behandelt das deutsche Verleumdungsrecht Personen des öffentlichen Lebens anders?
Die Gerichte wägen die Meinungsfreiheit nach Art. 5 des Grundgesetzes gegen das Persönlichkeitsrecht ab und lassen im Allgemeinen eine deutlichere Kommentierung von Personen des öffentlichen Lebens und Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu als gegenüber Privatpersonen, wobei der Schutz vor falschen Tatsachenbehauptungen bestehen bleibt.
Sources and References
- § 185 StGB (Beleidigung)(gesetze-im-internet.de).gov
- § 186 StGB (üble Nachrede)(gesetze-im-internet.de).gov
- § 187 StGB (Verleumdung / vorsätzliche Verleumdung)(gesetze-im-internet.de).gov
- § 193 StGB (Wahrnehmung berechtigter Interessen)(gesetze-im-internet.de).gov
- § 194 StGB (Strafantrag)(gesetze-im-internet.de).gov
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), offizielle englische Übersetzung, §§ 195, 823, 1004(gesetze-im-internet.de).gov
- Von Hannover gegen Deutschland (EGMR) zum Persönlichkeitsrecht und zu Personen des öffentlichen Lebens(hudoc.echr.coe.int).gov